Wer bin ich? Was will ich? Wo ist mein zukünftiger Wirkungsort?

Es hat sich in den letzten Jahren schon unverkennbar abgezeichnet – und wurde trotzdem weitgehend ignoriert oder sogar negiert. Und seit der Corona-Pandemie ist es zur Gewissheit geworden: Ja, wir haben es mit einem globalen Mind Change zu tun – laut vielen Wissenschaftlern mit dem größten seit Erfindung der Sprache. Ja, er zwingt uns, die Welt und uns neu zu denken. Und: Ja, wir müssen uns neu aufstellen. Aber dann bitte in einer neuen Welt mit neuen Paradigmen. Unter diesen Bedingungen wurde die Mind Changer Akademie geboren.

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1. DREI BEISPIELE – MITTEN AUS DEM LEBEN

Schauplatz Münster. Oder irgendwo in Zürich. Oder mitten in Wien. Wir treffen eine erfolgreiche Marketingvorständin eines internationalen Konzerns. Erfolgreich ist sie, Mitte 40, Familie, 2 Kinder im Altern von 8 und 12 Jahren. Sie lebt für ihre Arbeit, ihre Kinder sind eine Organisationsherausforderung, ihre Ehe spielt sich zwischen 22.00 und 23.30 ab – falls beide Zeit haben. Natürlich kommt der Sport zu kurz, und um über das Leben nachzudenken, bleibt wenig Zeit. Und mit den meisten Freunden ist das zentrale Gesprächsthema meist, „Wo warst du letzte Woche?“, und „Wie lässt sich das alles zeitmäßig vereinbaren?“

Und dann plötzlich: Der Fall ins Nichts. Die Senator Status-Karte fängt Staub am Schreibtisch, vereinzelt ZOOM-Meetings, Home Schooling, Kennenlernen der eigenen Familie. Natürlich entsteht zuallererst die Wut („Kann doch nicht sein!“), dann die Hilflosigkeit, dann die Hoffnung, dass der Irrsinn ja doch nicht länger als ein paar Wochen andauern kann. Und schließlich entsteht langsam so etwas wie Gewöhnen an die neue Herausforderung, die so diametral anders ist als alles, was bisher war. Und die uns zeigt, dass die technischen Möglichkeiten bei Weitem mehr können, als wir uns jemals eingestehen wollten. Was enorm Zeit einspart. Aber auch Status. Und neue Prioritäten entstehen. Ein neues Leben entsteht. Zeit für sich. Zeit für Nachdenken. Zeit für Partnerschaft. Qualitätszeit für ganz andere, für neue Themen. Neue Interessen kommen auf.

Und dann kommt irgendwann der Punkt, an dem ein neuer Gedanke aufkeimt: Will ich das, was ich vorher hatte, überhaupt noch? Kann ich mir noch vorstellen, jeden Tag in mein wunderschönes Büro zu jetten, hektisch, weil die Kinder morgens zu lange gebraucht haben, um ihren Kakao auszutrinken? Gibt mir dieses Leben, das ich vorher gelebt habe, überhaupt noch Befriedigung? Will ich (weiterhin) mein Leben, das Leben mit meinen Liebsten, das Denken in Möglichkeiten einfach „wegdrücken“? Interessiert mich mein Freundeskreis noch mit seinen Themen, die in mir nichts als Leere verursachen? Wie will ich mein Leben verbringen, neu ordnen, welchen Interessen und Gedanken nachgehen, welche Initiativen gestalten, die wirklich „weltbewegend“ sind – die uns als Menschen weiterbringen, auch wenn sie irgendeinem Unternehmen keinen Cent mehr an Umsatz bringen?

Wir treffen aber auch den 20-jährigen Barchef eines großen Tiroler Hotels, der eigentlich die Sommergäste und mittlerweile auch schon wieder die Wintergäste kräftig aufmischen sollte. Anstatt dessen: Nichts. Das pure Nichts. Das ist neu für ihn, denn bisher ging praktisch die Nacht in den Tag und der Tag in die Nacht über, die Sommer- in die Wintersaison und diese wieder in die Sommersaison. Zeit zum Nachdenken blieb da kaum, und das war gut so. Zumindest vordergründig. Die Corona-Zeit allerdings hat ihn richtig aus dem Rhythmus gebracht. Denn anders als sonst konnte die arbeitsfreie Zeit nicht mit Freunden verbracht oder für einen Urlaub genutzt werden, sondern beschränkte sich darauf, – ja, nichts zu tun, Filme anzusehen, in Youtube zu surfen und neue Themen zu googeln. 

Und irgendwann kam der Punkt, an dem der Zwiespalt und damit auch gleichzeitig die Sehnsucht entstand: Ist das, was ich bisher als „erfüllend“ wahrgenommen habe, nicht eigentlich mehr ein Zudröhnen mit der Droge Beschäftigung, mit dem immer vollen Terminkalender, mit dem „Gebucht sein“? Wenn mein Alltagsleben wieder zurückkehrt, die „Normalität“ wieder eintritt: Will ich das? Kann ich mir das noch vorstellen? Werde ich einfach den Lauf wieder aufnehmen, nicht darüber nachdenkend, was morgen und vor allem übermorgen passieren sollte? Was wollte ich eigentlich, das ich durch meine anstrengende, auch erfüllende Tätigkeit praktisch vergessen hatte?

Für Wirtschaft hatte er sich eigentlich immer interessiert, für die Entwicklung der Börsekurse und die Bedingungen für den Erfolg von Unternehmen, die Bitcoin-Thematik und wie die Bill Gates Foundation Erfolge erwirtschaftet. Aber sein Traum vom Wirtschaftsstudium war einfach nie „drin“. Denn nach dem Schulabbruch war klar, dass er nicht an die Uni konnte. Obwohl – wäre es denn nicht möglich, jetzt den Befähigungsnachweis nachzuholen, und das Ding einfach durchzudrücken? Und er beginnt, sich mit dem neuen potenziellen Leben konkret auseinanderzusetzen.

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Schließlich treffen wir den Mittfünfziger, der noch 9 Jahre Arbeitsleben vor sich hat – zumindest aus heutiger Sicht. Seine Kinder sind schon außer Haus, seine Enkel hat er bislang kaum gesehen. Kein Wunder, denn als Teamleiter in einer Bank ist er ständig damit beschäftigt, mit den immer neuen Ideen der immer neuen Vorstände und Abteilungsleiter Schritt zu halten. Vor Corona hätte er den Wohlstand und die Rolle des Konsums in seinem Leben mit Zähnen und Klauen verteidigt. Kein Wunder, denn es rundete sein Leben ab. Es versprach ihm Möglichkeiten. Und auch einen gewissen Benchmark. 

Und dann kam Corona und das Home Office. Und plötzlich wurde ihm bewusst, dass das unbekannte Wesen zu Hause nicht nur den gleichen Namen trug wie er, sondern auch seine Kameradin auf Lebenszeit sein konnte. Dass es Sinn machte, diese Kameradin näher kennenzulernen. Und es wurde ihm bewusst, wie groß seine Enkel in der Zwischenzeit geworden waren. Und dass er kaum etwas von ihnen wusste. Auch sie nicht von ihm. Und er entdeckte, wie viel Spaß es ihm machte, mit ihnen zu spielen – interessanterweise gar nicht so sehr mit Playmobil oder Lego, sondern vielmehr, mit ihnen per ZOOM lustige Filme zu drehen oder für sie eine Schnitzeljagd im Wald zu veranstalten. Das Auto blieb in der Garage stehen. Den 21. Anzug in seiner Sammlung sandte er zurück. Er hatte ja kaum noch Gelegenheit, die anderen 20 Anzüge zu tragen. Und er bemerkte – als guter Banker – dass seine Konsumausgaben binnen eines halben Jahres im Vergleich zu „vorher“ um 60% (!) gesunken waren. Dafür entdeckte er neue Apps und Dienstleistungen, wie etwa Blinkist oder DIY-Anleitungen.

Und irgendwann stellte er mit einem gewissen Erschrecken fest: Er war vom Konsum-Junkie zum Hobby-Junkie mutiert. Interessen entstanden, die nicht einmal Geld kosten mussten, die ihm aber einen persönlichen Mehrwert verschafften. Gemeinsam mit seinem Enkel gründete er eine Umweltschutz-Initiative für seine Schweizer Nachbarschaft, und es machte ihm großen Spaß, seinem Enkel seinen großen Erfahrungsschatz in einem konkreten, erfolgreichen Projekt weiterzugeben – aber auch von seinem Enkel unendlich viel zu lernen, der die Klaviatur des Internets, des Social Media Marketings und der jungen Kommunikation mit faszinierender Professionalität beherrschte. 

Und schließlich wurde ihm klar, dass es eine Rückkehr zur „Normalität“ für ihn so nicht geben würde. Er würde um eine Reduzierung seiner Arbeitszeit und seines Gehalts um 40% ansuchen, um die notwendige Zeit zu haben, beruflich interessante Wege aufzubauen, die ihn auch nach seiner Pensionierung bereichern und erfüllen würden. Noch wusste er nicht genau, worum es gehen würde. Aber es konnte sich durchaus um seine bereits gewonnenen Erfahrungen in der Umweltschutz-Initiative ranken. Denn eines war ihm klar: Das Mehr an Geld würde ihm nicht mehr das notwendige Mehr an Erfüllung bringen. Es ging jetzt um etwas anderes, das herauszufinden er sich nun die notwendige Zeit nehmen wollte. 

2. UND SIE?

Das Vakuum, das wir aktuell erleben, können wir als lästige Überbrückungszeit sehen, bis das „eigentliche“ Leben danach in Form der „Normalität“ wieder beginnt. Wir können es aber auch als wertvolle Zeit sehen, die uns geschenkt wird, um uns mit der längst veränderten Welt um uns herum bewusst auseinanderzusetzen, und uns inspirieren zu lassen. Um uns die Möglichkeit zu geben, in all der Krise die einzigartige Chance wahrzunehmen, die neue Zeit zu greifen und fassen zu können. Neue Felder zu entdecken, die neue Richtungen und Themen erschließen – ganz allein für uns. Oder gemeinsam mit anderen. Zweite Standbeine, Interessen und Hobbies aufzubauen. Neue Berufungen und Business-Modelle geradezu zu erfinden. In einer neuen Balance erfolgreich zu sein. 

Bleibt die Frage: Wer wollen Sie in Zukunft sein? Was wollen Sie? Wie könnte Ihr zukünftiger Wirkungsort aussehen?

Die Mind Changer Academy www.mind-changer.net ist eine weltweit einzigartige Plattform, welche in mehreren Sprachen die revolutionärsten Vordenker in allen Lebensbereichen zu Ihnen ins Wohnzimmer bringt. Jeden Monat streamen Sie bis zu 15 spannende Dialoge mit ihnen zu jeweils einem neuen Lebensbereich. Wann Sie wollen. Sooft Sie wollen. Zusätzlich gehen Sie in den bis zu 30 Live-Online Sessions monatlich mit den Vortragenden direkt in den Dialog – stellen Fragen und lassen sich weiter inspirieren. Im Mind-changing Forum tauschen Sie sich mit Gleichgesinnten aus. Und mit Ihrem Platz entsteht ein Freiplatz für einen Teilnehmer in einem Entwicklungsland, der auch mit Ihr Buddy für die gegenseitige Inspiration werden kann. 

Die Mind Changer Academy beginnt heute für Sie, wenn Sie sich heute anmelden.

LITERATUR

Radatz, S. (2015): Gestalten Sie. Sonst werden Sie gestaltet. München: 2015.

Radatz, S. (2020): Soft Reset oder Hard Reset?, in: LO Lernende Organisation Nr. 115, März/April 2020.

Radatz, S. (2020): Wie gestalten wir einen Reset?, in: LO Lernende Organisation Nr. 115, März/April 2020.

Radatz, S. (2020): Geglücktes Leben: Warten auf Godot?, in: LO Lernende Organisation Nr. 116, Mai/Juni 2020.

Radatz, S. (2020): Relationale Subjektivierung: Das geglückte Leben einfach gestalten, in: LO Lernende Organisation Nr. 116, Mai/Juni 2020.

Alle Bücher und Zeitschriften versandkostenfrei bestellen: www.irbw.net

DR. SONJA RADATZ 

begründete die Relationale Philosophie, ihr IRBW Beratungs- und Weiterbildungsinstitut mit Sitz in Wien, Schloss Schönbrunn, und die Mind Changer Akademie gemeinsam mit ihrem Kollegen Maxim Zalesskiy. Dr. Radatz wird regelmäßig als Keynote-Speakerin, als Gastdozentin an internationalen Universitäten und als Begleiterin und Coach in namhaften Unternehmen angefragt. Sie ist Autorin von aktuell 19 Büchern, darunter zuletzt ihr neues Coaching-Standardwerk „Einfach beraten“. Darüber hinaus Herausgeberin der Zeitschrift LO Lernende Organisation. 2003 wurde ihr in Berlin der Deutsche Preis für Gesellschafts- und Organisationskybernetik für ihr Lebenswerk verliehen.

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Dr. Sonja Radatz
Dr. Sonja Radatz entwickelte die Relationale Philosophie und verfasste dazu 19 Bücher. Sie bietet Relationale Weiterbildung an und unterstützt Menschen und Unternehmen dabei, ihre präferierte Zukunft zu gestalten. Darüber hinaus Herausgeberin der Zeitschrift LO Lernende Organisation. 2003 wurde ihr der Deutsche Preis für Gesellschafts- und Organisationskybernetik für ihr Lebenswerk verliehen.